Wissenschaftliche
Erkenntnisse über das Fasten unter Berücksichtigung der Humanphysiologie
und der Kosten ernährungsbedingter Krankheiten
Studienarbeit für das Fach Biologie
Gliederung
Kapitel
Verzeichnis der Tabellen
1 Einleitung
2 Die Periodik der Ernährung
3 Physiologie der Unterernährung
4 Die Kosten ernährungsbedingter
Krankheiten
4.1 Die direkten Kosten
von ernährungsbedingten Krankheiten
4.1.1 Die berücksichtigten
Ausgaben nach Leistungsarten
4.1.2 Die direkten Kosten
von ernährungsabhängigen Krankheiten im Jahr 1980
4.2 Die indirekten Kosten
von ernährungsbedingten Krankheiten im Jahr 1980
5 Fasten
5.1 "Heilfasten
5.2 Gelegentliches Fasten
5.3 Regelmäßige
Fastenschalttage
5.4 "Morgenfasten"
5.5 Die "Saftkur"
6 Diskussion
7 Zusammenfassung
8 Literatur
Verzeichnis der Tabellen
Tab. 1: Energiereserven eines
normalgewichtigen Menschen (S. 9).
Tab. 2: Zusammenhänge
zwischen Ernährung, Gesundheit und Krankheit (S. 10).
Tab. 3: Durch Übergewicht
begünstigte oder ausgelöste Krankheiten bzw. Krankheiten bei
extrem adipösen Männern (S. 11).
Tab. 4: Die direkten Kosten
von ernährungsabhängigen Krankheiten, nach Leistungen, in Mio.
DM und in % der direkten Kosten von Krankheiten insgesamt, 1980 (S. 13).
Tab. 5: Kontraindikationen
beim Fasten (S. 16).
1 Einleitung
Eher muß man darauf
achten, mit wem man ißt und trinkt, als was man ißt und trinkt.
Ohne Freund ist das Leben wie das Abfüttern eines Löwen oder
eines Wolfes. Seneca
Zusammengehörigkeit und
Gegensatz werden über das Essen definiert, wenn Deutsche Italiener
als "Spaghettifresser" bezeichnen und Amerikaner Deutsche "Krauts" nennen.
Dahinter steckt die Grundannahme, daß Menschen, die sich auf ähnliche
Art und Weise ernähren wie man selbst, einem auch in anderen Beziehungen
näher sind als andere. Unter dem gemeinschaftsfördernden Qualitätsaspekt
von Ernährung sind auch Geschäftsessen zu sehen oder Reaktionen
im persönlichen Umfeld auf eigene Umstellungen der Ernährungsgewohnheiten.
Dies trifft zugleich auch auf die Tradition der Nahrungsenthaltung, also
des Nichtessens oder Fastens, zu, wie die folgenden Beispiele belegen:
Katholiken war bis vor dem
zweiten Weltkrieg verbindlich vorgeschrieben, werktags nur eine volle Mahlzeit
zu sich zu nehmen. Als nach dem 2. Weltkrieg Fasten (zwischen Aschermittwoch
und Ostersonntag) und Abstinenz (kein Fleisch am Freitag) dem Gewissen
des einzelnen überlassen wurden, empfanden dies viele als längst
überfälligen Schritt. Allerdings hat es vor Beginn der Reformationszeit
keine Kultur gegeben, in der es dem Menschen völlig freigestellt war,
was wer wann essen durfte. Daß die Schlafenszeit (ca. 6-10 h) gleichfalls
eine "Fastenzeit im kleinen" darstellt, wird durch die Sprachwurzel des
englischen Wortes "Breakfast" deutlich.
Ein weiteres Beispiel stellt
das Versöhnungsfest der Juden, Jom Kippur, dar. Vor dem Fest darf
24 Stunden lang nichts gegessen werden, und der Fastenmonat des Islam,
der Rammadan, gestattet nur Essen nach Sonnenuntergang. Der dies ernsthaft
befolgende Gläubige soll nur wenig Obst und Käse zu sich nehmen.
Buddhistische Zen-Mönche
und sog. "Heilige Männer" Indiens begleiten ihre Meditationszeiten
ebenfalls mit Fasten, und es sind Bergvölker bekannt, die regelmäßig
über mehrere Monate von der Umwelt abgeschnitten leben, zunächst
ihre Vorräte aufbrauchen und anschließend fasten.
Das Fasten ist außerdem
fester Bestandteil von Initiationsriten vieler Naturvölker, in denen
junge Männer und Frauen fasten müssen, um "den Göttern näherzukommen".
Kranke Lebewesen verlieren
gewöhnlich ihren Appetit, denn der Verdauungsvorgang benötigt
allein schon ein Drittel der Energie, die in der Nahrung enthalten ist.
Der zeitweilige Abbau von Depotfettreserven ist so gesehen insgesamt günstiger
als die permanente Nahrungssuche, -aufnahme und -verdauung.
Diese Studienarbeit berücksichtigt
vor allem die humanphysiologischen Vorgänge eines Hungerzustandes,
die volkswirtschaftlichen Kosten ernährungsbedingter Krankheiten und
die Problematik von Diäten und Fastenkuren. Aspekte der genannten
Bereiche werden ausführlich diskutiert, ohne jedoch den Anspruch der
Vollständigkeit zu erheben. Zunächst soll auf zwei grundlegende
Aspekte, die Periodik normaler Ernährung und die physiologischen Vorgänge
des Hungerzustandes, eingegangen werden. Nach einer Betrachtung der Kosten
ernährungsbedingter Krankheiten, speziell der Adipositas (Übergewicht),
werden die verschiedenen Arten des Fastens dargestellt und diskutiert.
2 Die Periodik der Ernährung
Nach einem gutem Essen könnte
man jedem vergeben, selbst seinen eigenen Verwandten. Wilde
Schon der Begriff "Mahlzeit"verdeutlicht den bestehenden Zusammenhang zwischen Ernährung und Zeitpunkt
der Nahrungsaufnahme.
Die in unserer modernen
Industriegesellschaft vorherrschende Drei-Mahlzeiten-Sequenz wird von einem
exogenen Zeitgeber (Tag-Nacht-Rhythmus) und einer endogenen Periodik mit
einer circadianen Periodendauer von 25 Stunden, die nur unter Normbedingungen
vom exogenen Faktor überlagert wird, festgelegt1.
Während jedoch bei wildlebenden Tieren und Jäger-Sammler-Völkern
die Nahrungsverfügbarkeit den Ernährungsrhythmus determiniert,
ist die Drei-Mahlzeiten-Sequenz eine Folge der Vorratswirtschaft seßhaften
Lebens einerseits und des Wechsels von schwerer körperlicher Muskelarbeit
mit anschließender, verdauungsfördernder Ruhe andererseits und
unter diesem Gesichtspunkt eine primäre Erscheinung der kulturellen
Entwicklungsstufe des agrarischen Zeitalters. In der modernen Industriegesellschaft,
in der weniger stark die manuelle Arbeit, sondern die permanente, geistige
Inanspruchnahme in den Vordergrund tritt, deutet sich ein Wandel in der
Ernährungsrhythmik an (s. Kap. 6).
3 Physiologie der Unterernährung
Ich habe wenige an Hunger
sterben sehen, am Überessen aber 100.000. Franklin
Bevor im besonderen auf das
Fasten eingegangen wird, soll hier zunächst die Physiologie der Unterernährung
betrachtet werden.
Durch das Hungern kommt
es zu einer groben Umstellung im Stoffwechsel, beispielsweise wird die
für den "Normalfall" mit 12 bis 17 g N pro Tag angegebene Stickstoffausscheidung
drastisch reduziert, so daß sich nach einmonatigem Fasten ein neues
Stoffwechselgleichgewicht eingestellt hat, nach dem nur noch 2,5 bis 4
g N pro Tag vom Körper ausgeschieden werden. Dies entspricht der Verbrennung
von 15 bis 25 g Protein und bedeutet einen täglichen Gewichtsverlust
von 75 bis 120 g.2Unter Hungerbedingungen
werden 1000 bis 2000 mg N als Ammoniak ausgeschieden, Harnstoff wird kaum
noch gebildet.
Die Steuerung der Stoffwechselvorgänge
während des Hungerns hat vor allem die Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels
zum Ziel. Dieser sinkt in den ersten Tagen nur geringfügig um 20-30
mg% ab. Gleichzeitig sollen auch die Proteinvorräte geschont werden,
denn der Tod infolge einer Unterernährung tritt nicht durch Hypoglykämie
ein, sondern durch den Verbrauch von mehr als einem Drittel des Körperproteins.
Durch den Abfall des Seruminsulinspiegels
nach Absinken des Blutzuckerspiegels steigt einerseits die Konzentration
des Glucagons an, zum anderen wird die Lipolyse im Depotfett stimuliert
und die Proteolyse erleichtert. Freie Fettsäuren liefern dann die
erforderliche Energie für Muskulatur und Leber. In der Leber kommt
es zur Ketogenese, die Ketonkörper werden von der Muskulatur und später
auch vom Gehirn verbrannt. Dort geht der Glucoseverbrauch von zunächst
115 g (nach Huth 1979) oder 100 bis 145 g (nach Domagk 1977) täglich
auf weniger als 80 g zurück.
Am 40. Tag einer Fastenperiode
wurde von Cahill und Mitarbeitern3nur
ein Verbrauchswert von 24 g Glucose gemessen.
Hunger führt in den
ersten zwei Wochen zunächst zu einem Proteinkatabolismus, da die verfügbaren
Kohlenhydratreserven nur gering sind.
Wie erwähnt metabolisiert
das Gehirn täglich um die 115 g Glucose. Erythrozyten, Knochenmark,
Nierenmark und peripheres Nervensystem verbrauchen zusammen ca. 36 g Glucose
zur anaeroben Glycolyse, wobei Lactat und Pyruvat entstehen. Die Neusynthetisierung
von Glucose (Gluconeogenese) ist zum Überleben also unverzichtbar.
Das Glycerin des Depotfetts wird in Glucose verwandelt und liefert 18 g
Glucose täglich. Insgesamt produziert der menschliche Körper
im Hungerzustand mittels Gluconeogenese 86 g Glucose pro Tag.
Die Speicherung von Depotfett
ist eine für den menschlichen Organismus rationelle Methode, sich
Brennstoffvorräte zuzulegen, denn "da das Fettgewebe praktisch wasserfrei
ist, bedeutet eine Speicherung von 10 kcal in Form von Fett nur eine Gewichtszunahme
von 1,3 g. Dieselbe Kalorienmenge, in Form von Kohlenhydrat oder Protein
eingelagert, würde hingegen eine Erhöhung des Körpergewichts
um 11 g erforderlich machen"4.
In den ersten drei Tagen
des Fastens werden 150-250 g Glucose von der Leber produziert, nach 5-6
Wochen sind es nur noch 40-50 g, danach werden 40 g Glucose von der Niere
gebildet. Die entscheidenden Vorläufer der Glucose sind die Aminosäuren.
Zuerst wird das Eiweiß aus Blut, Pankreas und Verdauungstrakt verbraucht.
Dieses macht 90-420 g Eiweiß aus. Es schließt der Proteinkatabolismus
im Bereich der Muskulatur an, bei dem überproportional viel Alanin
freigesetzt wird. Alanin macht 7 %
des Muskeleiweißes aus, es findet sich aber zu 30-40 % unter den
Aminosäuren, die von der Muskulatur unter dem Einfluß kataboler
Hormone abgegeben werden. Huth (1979, S. 120) bezieht sich vor allem auf
Studien, die von Benedict 1912 an Fastenden durchgeführt wurden. Demnach
reichen die Kalorienvorräte eines erwachsenen Menschen für ca.
80 Tage, selbst bei einem täglichen Verbrauch von 2000 kcal. Allerdings
ist der Mensch dann noch nicht verhungert, wie andere Werte belegen. Domagk
(1977, S. 12) errechnet, ausgehend von einer angenommenen Stickstoffausscheidung
von 2 g, die extreme Dauer eines tolerierbaren Hungerzustandes von etwa300 Tagen. Als aus Erfahrungen abgeleitete Faustregel gilt unter Medizinern,
daß Gesunde 40 Tage lang fasten können, ohne Schaden zu nehmen.
Die Energiereserven eines
normalgewichtigen Menschen sind in Tabelle 1 dargestellt. Den größten
Anteil des Energiebedarfs, 85-90 %, deckt der Fastende aus Depotfett, Energielieferant
ist die Fettsäureoxidation.
Eine wichtige Beobachtung
ist der im Verhältnis zum Energieverbrauch überhöhte Gewichtsverlust,
der auf eine Salz- und Wasserdiurese durch Ketonkörperbildungzurückzuführen
ist.
Übermäßiges
Essen und Trinken tötet mehr Menschen als das Schwert. Osler
Durch Krankheiten entstehen
direkte und indirekte Kosten. Unter Kosten ist der bewertete Verbrauch
bzw. Verlust von Ressourcen (Produktionsfaktoren) zu verstehen. Als direkte
Kosten wird dabei der bewertete Ressourcenverbrauch in Form von Gesundheitsgütern
und -leistungen (z. B. Prävention, Behandlung, Diätkost, Rehabilitation
und Pflege) bezeichnet, während der bewertete Ressourcenverlust infolge
von Krankheit, Invalidität und/oder vorzeitigem Tod indirekte Kosten
darstellt (z. B. Arbeitsunfähigkeit, Berufswechsel, verpaßte
Aufstiegschancen, Zeitaufwand zur Pflege Kranker bzw. Sterbender etc.).
Dem Statistischen Bundesamt
wurde erst 1976 ein Forschungsauftrag zur Ermittlung der Ausgaben im Gesundheitsbereich
erteilt. Die Ausgabenzusammenstellung ist bis zum Jahr 1980 fortgeschrieben6.
In Tab. 2 sind beispielhaft
verschiedene Ebenen der Zusammenhänge zwischen Ernährung und
Gesundheit/Krankheit dargestellt.
1. (Mit-)Verursachung einer
Erkrankung durch Ernährungsfehler, Prävention einer Erkrankung
durch Ernährungsumstellung
z. B. Hochdruck (NaCl),
Leberzirrhose (Alkohol)
2. Beeinflussung des Verlaufs
einer Krankheit durch Diät
z. B. Erbkrankheiten wie
die Phenylketonurie (phenylalaninhaltige Lebensmittel)
3. Behandlung der Erkrankung
durch Ernährungsmaßnahmen
z. B. Fettsucht, Anorexia
nervosa
4. Deckung des physiologischen
Bedarfs durch eine vollwertige Ernährung
z. B. Wachstum, laufender
Ersatz von Zellen und Geweben
Folge Hochdruck oder Leberzirrhose - Prost!
Tab. 2: Zusammenhänge
zwischen Ernährung, Gesundheit und Krankheit7
Die ernährungsbedingten
Kosten nehmen einen großen Anteil unter den krankheitsbedingten Kosten
ein.
Sie betragen für das
Jahr 1980 knapp 42 Mrd. DM8. Die direkten
Kosten sind mehr als doppelt so hoch wie die indirekten Kosten, welche
wiederum vorwiegend von den Kosten infolge von Mortalität bestimmt
sind.
Die teuerste Krankheit ist
Karies (s. Tab. 4) mit knapp 16,5 Mrd. DM, was einem Anteil von 39,4 %
der Kosten aller ernährungsbedingten Krankheiten entspricht. Die Herz-Kreislauferkrankungen
verursachten Kosten in Höhe von ca. 16,3 Mrd. DM (ca. 39 %), Diabetes
mellitus immerhin noch in Höhe von 2 Mrd. DM.
- Diabetes mellitus
- Arthrosen
- Hypertonie
- Gicht
- koronare Herzkrankheiten
- zerebrovaskuläre
Insulte
- Pickwick-Syndrom
- Varikosis
- Ulcus cruris
- Hyperlipidämie
- Cholelithiasis (Gallensteine)
- Depression oder andere
Psychosen
- Hypernephrom
- Diskopathien
- Hernien
- Thrombophlebitis
- Erysipel
- Menstruationsanomalien,
Sterilität
- postoperative Komplikationen Tab. 3: Durch Übergewicht
begünstigte oder ausgelöste Krankheiten bzw. Krankheiten bei
extrem adipösen Männern9
Eine Hausarbeit über
das Fasten sollte sich besonders auf die Herz-Kreislauferkrankungen und
Krankheiten mit Komplikationen im Kreislaufsystem konzentrieren. Der Bundesminister
für Jugend, Familie und Gesundheit (1986, fortan: BMJFG) zählt
hierzu im einzelnen: Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Gicht, Übergewicht,
ischämische Herzkrankheiten, sonstige Formen von Herzkrankheiten,
Arteriosklerose, Aortenneurysmen und sonstige Aneurismen (BMJFG 1986, S.
139). Wichtig ist vor allem das Übergewicht (Adipositas), da
es weitere, z. T. eben bereits genannte Krankheiten auslöst bzw. begünstigt,
die in Tab. 3 aufgeführt sind.
4.1 Die direkten Kosten
von ernährungsbedingten Krankheiten
4.1.1 Die berücksichtigten
Ausgaben nach Leistungsarten
Zu den berücksichtigten
Leistungsarten zählen "die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung
für ärztliche Behandlung, für Arzneimittel aus Apotheken
und für stationäre Behandlung, die Ausgaben der gesetzlichen
Rentenversicherung für stationäre Kurbehandlung und die Ausgaben
insgesamt für zahnärztliche Behandlung einschl. Zahnersatz"10.
Für alle Krankheitsursachen
wwurden im Jahre 1980 insgesamt 73,086 Mrd. DM ausgegeben, das entspricht
einem Anteil in Höhe von 83,56 % "der in der Zurechnung der direkten
Kosten auf Krankheitsarten berücksichtigten Ausgaben"11.
4.1.2 Die direkten Kosten
von ernährungsabhängigen Krankheiten im Jahr 1980
Auf die ernährungsbedingten
Krankheiten entfallen im Jahre 1980 direkte Kosten in Höhe von 29,2
Mrd. DM, das entspricht anteilig 33,44 % der direkten Kosten aller Krankheitsursachen
(s. Tab. 4).
Krankheitsursachen Kosten
(in Mio. DM) (in %)
Struma (Kropf) 181 0,21
Diabetes mellitus 1587 1,82
Sonstige Stoffwechselkrankheiten
und Störungen des Immunsystems
590 0,68
Störungen des Aminosäure-
und
Kohlenhydratstoffwechsels
(8) (0,01)
Störungen des Lipidstoff-
wechsels (188) (0,21)
Gicht (183) (0,21) Fettsucht/Übergewicht
(184) (0,21)
Bluthochdruck 2135 2,44
Ischämische Herzkrankheiten
3214 3,67
Sonstige Formen von Herzkrank-
heiten 371 0,42
[...]
Zerebrovaskuläre Erkrankungen
1138 1,30
Arteriosklerose 125 0,14
Karies 16.470 18,83
Divertikulitis des Darmes
145 0,16
Leberzirrhose 282 0,32
Gallensteinleiden 280 0,32
Krankheiten der Bauchspeichel-
drüse 892 1,02 Alle ernährungsabhängigen Krankheiten 29.246 33,44
Tab. 4: Die direkten
Kosten von ernährungsabhängigen Krankheiten, nach Leistungen,
in Mio. DM und in % der direkten Kosten von Krankheiten insgesamt, 198012
4.2 Die indirekten
Kosten von ernährungsbedingten Krankheiten im Jahr 1980
Die Ermittlung des Ressourcenverlustes
bezieht sich auf BMJFG (1986, S. 256 ff.). Die indirekten Kosten von ernährungsabhängigen
Krankheiten belaufen sich demnach im Jahre 1980 infolge von Mortalität
auf eine Summe von insgesamt 8,7 Mrd. DM bzw. 7,7 Mrd. DM13
(Männer: 7,9 Mrd. DM bzw. 7 Mrd. DM, Frauen: 0,8 Mrd. DM bzw. 0,7
Mrd. DM), was einem Anteil von insgesamt 31,1 % bzw. 33,04 % an den indirekten
Kosten aller Todesfälle entspricht. Im Jahr 1980 starben 382.969 Deutsche
(West) an ernährungsbedingten Krankheiten, davon 176.309 Männer
und 206.660 Farauen. Dies entspricht einem Anteil an allen Todesfällen
des Jahres 1980 von insgesamt 53,62 % (50,65 % Männer, 56,45 % Frauen)!
Hervorzuheben sind hier die ischämischen Herzkrankheiten, sonstige
Formen von Herzkrankheiten und zerebrovaskuläre Erkrankungen, die
zusammen mehr als 40 % aller Todesfälle verursachten.
Die Summe der indirekten
Kosten infolge von Morbidität für ernährungsbedingte Krankheiten
beläuft sich für 1980 auf 4 Mrd. DM (Männer: 3,1 Mrd. DM,
Frauen: 0,9 Mrd. DM), was einem Anteil der indirekten Kosten infolge von
Morbidität insgesamt in Höhe von 10,2 % entspricht (Männer:
11,19 %, Frauen: 7,86 %). Als Hauptverursacher gelten hier ebenfalls die
ischämischen Herzkrankheiten, gefolgt von Bluthochdruck und - speziell
bei Männern - Alkoholismus und Leberzirrhose.
5 Fasten
Bei leerem Magen / Sind
alle Übel doppelt schwer. Wieland
"Fasten, Nahrungskarenz,
Hungerkur: strengste Form der Nahrungsbeschränkung, wobei die Flüssigkeitszufuhr
garantiert sein muß."14
Das Fasten kann auf verschiedenste
Art und Weise praktiziert werden, als gelegentliches Fasten (1-2 Tage),
in Form regelmäßiger "Fastenschalttage" (1 mal pro Woche 1-2
Tage), als Morgenfasten (Verzicht auf Frühstück) oder über
den Zeitraum von etwa einer Woche oder länger als Saftkur oder Nulldiät.
5.1 "Heilfasten"
Das sog. Heilfasten als
modifizierte Form der Nulldiät (totales Fasten) findet seine Anwendung
entweder im privaten Bereich oder in Form kostenintensiver Fastenkuren
unter stationären Bedingungen. Im letzteren Fall wird die Adipositastherapie
nur in Verbindung mit anschließenden Reduktionsdiäten durchgeführt,
da nur dies effektiv sein kann, denn den hoffnungsvollen Kurzzeiterfolgen
stehen meist frustrierende Langzeitergebnisse gegenüber; ist es doch
weit schwieriger, seine Lebensgewohnheiten dauerhaft umzustellen als vorübergehend
auf eine Nahrungszufuhr zu verzichten. Bei der Nulldiät werden nur
energiefreie Getränke (Mineralwasser, Tee) aufgenommen. Elmadfa (1990,
S. 382) hält bei dieser Form des totalen Fastens Multivitaminpräparate
und eine Elektrolytsupplementation, besonders von Na, K, Mg und Ca für
"unerläßlich".
Die körperliche Leistungsfähigkeit
sinkt zu Beginn der Fastenperiode ab, als unerwünschte Nebenwirkungen
können zunächst Hyperurikämie, Acidose oder Hypotonie, als
häufigste Erscheinung aber ein Blutdruckabfall, der sich in leichten,
orthostatischen Beschwerden wie Mattigkeit, Kopfschmerzen oder Schwindel
äußert, auftreten. Weiterhin sind Mundgeruch (Aceton, häufig)
und ausbleibende Menstruation beobachtet worden.
Fastenindikationen15
sind Adipositas, Diabetes, Hypertonie, Hyperurikämie, akute Gichtanfälle,
akute Gastritis/Pankreatitis/Enteritis, Gallenkolik und Cholezystis. Therapieerfolge
sind möglich bei chronisch gestörtem Gewebestoffwechsel, wie
z. B. Furunkulose, Haut- und Schleimhauterkrankungen (Allergien), chronischer
Hepatitis, rezidivierender Lymphagitiden, psychosomatischen Beschwerden
und beim Prader-Willy-Syndrom.
Bei chronischen Entzündungen
des Magens und in der Genesungszeit nach schweren Infektions- und anderen
Krankheiten oder Operationen sowie im hohen Alter ist eine Fastenkur nicht
angezeigt. Weitere Kontraindikationen beim Fasten sind in Tab. 5 aufgeführt.
Psychische Störungen
Krankheiten mit negativer
N-Bilanz
Hämolytische Anämien
Insulinpflichtiger Diabetes
Nebenniereninsuffizienz
Schwere Leberfunktionsstörungen
Manifeste Herzinsuffizienz
Malignome
Rekonvaleszenz
Chronische Niereninsuffizienz
Schwangerschaft
Kinder unter 10 Jahren
Personen über 65 Jahren
mit altersbedingten Erkrankungen Tab. 5: Kontraindikationen
beim Fasten16
5.2 Gelegentliches
Fasten
Gelegentliches Fasten von
ca. 1-2 Tagen Dauer bleibt ohne die in Kap. 3 angeführten Umstellungen
des Stoffwechsels und soll hier nur als eine mögliche Form des Fastens
erwähnt werden, die aber sehr wahrscheinlich ineffizient ist.
5.3 Regelmäßige
"Fastenschalttage"
Wird in regelmäßigen
Abständen an 1-2 Tagen gefastet, z. B. einmal pro Woche, können
durch die verminderte Kalorienzufuhr ein Rückgang von Übergewicht
erzielt und zu hohe Blutdruckwerte normalisiert werden.
5.4 Das "Morgenfasten"
Eine Verringerung der Kalorienzufuhr
hat auch das im 19. Jahrhundert vom Mediziner Dr. Dewey eingeführte
Morgenfasten zum Ziel. Der Verzicht auf Frühstück in Form von
fester Nahrung kann dies aber natürlich nur bewirken, wenn die eingesparte
Kalorienmenge nicht anschließend beim Mittagessen zusätzlich
verzehrt wird. Ich halte diese Form des Fastens ebenfalls für ineffizient.
5.5 Die "Saftkur"
Abschließend sei noch
die sog. Saftkur ("Saftfasten") erwähnt, bei der zwar
auf feste Nahrung verzichtet, weiterhin aber - wenn auch in reduzierter
Form - Kalorien durch Obst- bzw. Gemüsesäfte zugeführt werden.
Die üblicherweise aufgenommene Energiemenge liegt bei 0,63-1,26 MJ
(= 150-300 kcal)/d17.
Der zweite wichtige Unterschied
zwischen einer Fastenzeit und der Saftfkur besteht in der infolge des hohen
Gehalts von Fruchtsäften an Vitaminen, Mineralsalzen und Spurenelementen
erhöhten Zufuhr an diesen Vitalstoffen, so daß sich ein zuvor
bestehender Mangel beheben ließe. Durch ein günstiges Verhältnis
von K/Na in Obst- und Gemüsesäften (7:1 bis 50:1) wird speziell
in den ersten Tagen des Fastens die Diurese gefördert. Die Regulierung
des Säure-Basen-Haushalts wird durch die Mineralsalze beeinflußt.
Fast alle Säfte sind basenüberschüssig, können also
das Säure-Basen-Gleichgewicht wiederherstellen und den im sauren Milieu
gereizten Sympathikusnerven beruhigen. Auch wird die Lymphozytenvermehrung
bei basenüberschüssiger Kost gefördert und das Immunsystem
so unterstützt.
6 Diskussion
Ein Teil des Geheimnisses
des Erfolges im Leben besteht daraus, zu essen, was man mag, und es im
Innern des Körpers ausfechten zu lassen. Twain
Die heute vorherrschende Ernährungsperiodik
der Drei-Mahlzeiten-Sequenz ist nicht zeitgemäß, da sie sich
aus den Anforderungen schwerstarbeitender Menschen auf der kulturellen
Entwicklungsstufe des agrarischen Zeitalters ableitet. Eine adäquate
Ernährungsperiodik begünstigt eine kontinuierliche, dem Bedarf
leichter Arbeit angemessene Nährstoffzufuhr in Form multipler Miniaturmahlzeiten.
Das Fasten stellt unter diesem Aspekt lediglich eine Verschärfung
des Wechsels von Nahrungszufuhr und Abstinenz dar.
Aber auch das regelmäßige
Sattessen ist in der Natur nicht normal. Wochen- und monatelanges Fasten
gehört zum normalen Jahresrhythmus vieler in freier Wildbahn lebender
Tiere. Ohne die Fähigkeit zum Fasten könnte kein Lebewesen überleben.
Daß aber der freiwillige
Verzicht auf feste Nahrung ein sinnvoller oder sogar notwendiger Bestandteil
der menschlichen Natur ist, ist umstritten, wie überhaupt die von
maximalen Gegensätzen beherrschte Diskussion um die richtige
Ernährungsform, zu der es kaum kontrollierte Studien gibt.
So bezeichnet Otto Buchinger,
Begründer des Heilfastens, dieses als "König der Heilmethoden",
ihm wird aber von Michel Montignac, Bestsellerautor aus Frankreich, widersprochen,
der predigt, nur "sorglose Völlerei" führe zu Schlankheit und
Gesundheit, solange Kartoffeln und Weißmehl gemieden würden.
Der Schweizer Arzt Bircher-Benner, Erfinder des Müslis, favorisiert
ausschließlich Rohkost, Makrobiotiker hingegen nur Gekochtes, der
Mediziner Lothar Wendt prangert Eiweiß als "Gewebevergifter" an,
während Robert Atkins, gleichfalls Mediziner, Blutzuckerstabilisierung
durch "eiweißhaltige Kost aus Fleisch, Fisch und Eiern" zu bewirken
hofft18. Er wiederum verdammt die
Kohlenhydrate, die allerdings den starken Zuspruch der Vollwertköstler
finden.
Diese verwirrend und beinahe
komisch anmutende Dikussion läßt nur in dem Punkt Übereinstimmung
erkennen, daß in unserer Gesellschaft zuviel Fett und Zucker konsumiert
wird.
Übergewicht ist der
wichtigste Krankheitsrisikofaktor in Industriestaaten, mit Auswirkungen
vor allem auf Herz, Blutgefäße, Stoffwechsel und Verdauungsorgane
und stellt auch vermutlich die häufigste Motivation zum Fasten dar.
Übergewichtige sind
sich in der Regel ihres Fehlverhaltens bewußt, ändern dies aber
nur selten wirklich grundlegend. Sich nach einem genauen Diätplan
beim Essen über einen längeren Zeitraum immer wieder zu kontrollieren,
fällt offenbar deutlich schwerer als ein vorübergehender völliger
Verzicht auf Nahrung.
Dies erklärt sich aus
den psycho-sozialen Aspekten der Ernährung. Das Ernährungsverhalten
(nutrition behavior) setzt sich aus verschiedenartigen, in früher
Jugend erlernten Ernährungsmustern (nutrition patterns) zusammen.
So wird bereits in der Kindheit die spätere Lebenserwartung weitgehend
determiniert19. Der instinktreduzierte
Mensch (Gehlen 1974, in: Cremer 1980, S. 8) gleicht den Verlust seines
Nahrungsinstinktes mit der dadurch möglichen freien Wahl seiner Nahrung
auf der Basis des Versuch-Irrtum-Lernens aus. So stehen ihm wesentlich
mehr Nahrungsquellen zur Verfügung, gleichzeitig bilden sich nutrition
patterns aus, die zwar auch über eine gewisse Flexibilität verfügen,
aber durch den sog. "cultural lag" (Synchronisationsdefizit von technischer
und geistiger Entwicklung des Menschen) zu Nachteilen, in diesem Falle
zu Krankheiten und vorzeitigem Tod, führen.
Obwohl ca. 80 bis 90 % vormals
übergewichtiger Menschen innerhalb eines halben Jahres nach dem Fasten
wieder übergewichtig werden ("Jojo-Effekt")20,
bedeutet doch die Erfahrung einer deutlichen Gewichtabnahme in kurzer Zeit
für diese Zielgruppe eine große Ermunterung.
Denkbar sind aber auch andere
Motivationen, beispielsweise das Gefühl, man sei zu stark mit der
materiellen Welt beschäftigt und habe kein Empfinden mehr für
die Innenwelt oder aber das Bedürfnis nach Abgrenzung von der Masse
der Menschen und die damit verbundenen Gefühle, etwas Besonderes zu
tun und durch die erreichte Triebüberwindung unabhängiger geworden
zu sein.
Möglicherweise spielen
auch finanzielle Erwägungen eine Rolle, denn wer fastet, spart Zeit
und Geld.
Befürworter des Fastens
verweisen vor allem auf die gesundheitsfördernden Aspekte und verordnen
Fastenzeiten zur Bekämpfung diverser Krakheiten in Form des sog. Heilfastensim
privaten Rahmen zu Hause oder unter ärztlicher Aufsicht. Die Autoren
der entsprechenden Publikationen21
sind zumeist selbst Heilpraktiker oder Ärzte und betreiben auch Fastenkliniken.
Übereinstimmend preisen sie das Heilfasten als "Operation ohne Messer"zur Therapie für nahezu alle Krankheiten an, wie z. B. - naheliegend
- bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Arterienverkalkung, Bluthochdruck,
Angina pectoris, Krampfadern, ferner bei Erkrankungen der Verdauungsorgane
wie z. B. einer Magen-Darm-Verstimmung. Auch Organerkrankungen könnten
durch Fasten günstig beeinflußt oder sogar geheilt werden, als
Beispiele werden Leberleiden, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse,
Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane (Entzündungen der Nieren
und Harnblase) und Myome an der Gebärmutter genannt. In den Zellreihen,
die zwischen zwei Blutgefäßen liegen, fand Prof. Hartmut Heine
vom anatomischen Institut der Universität Witten/Herdecke die "Zellmembranen
dieses 'Grundgewebes' durch Einlagerungen von Eiweiß- und Fettverbindungen
verdickt. Drei Wochen Fasten brachten die Verdickungen zum Verschwinden"22.
Die Haut als größtes
Ausscheidungsorgan ziehe gleichfalls Nutzen aus einer Fastenkur. Ferner
werden noch Migräne, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises,
Bronchialasthma, Infektionskrankheiten und Zahnfleischschwund genannt,
Leibold (1986, S. 23) führt sogar weibliche Sterilität als Beispiel
für eine durch Fasten therapierbare Funktionsstörung an, ohne
jedoch die Wirkungsweise zu erklären. Möglicherweise läßt
sich diese indirekt aus der Prävention von Übergewicht erklären,
da Adipositas Ursache von Sterilität sein kann (s. Tab. 3). Ob es
aber eine "Heilung" herbeiführen kann, ist meiner Ansicht nach zweifelhaft.
Des weiteren würden
nach einer Fastenkur erfahrungsgemäß auch mehr männliche
Kinder gezeugt. Hier zeigt sich die Grenze der Wissenschaftlichkeit der
zum Teil nicht unbeträchtlich in das "Fasten-Geschäft" involvierten
Ärzte, die - mangels empirischer Daten - Erfahrungswerte ihrer Beobachtungen
aus der Praxis zur Grundlage vieler Theorien machen. So stößt
man auch nicht selten auf etwas verwunderlich anmutende Postulate, die
hier aber trotzdem zitiert werden sollen.
Eine Auswirkung von Fasten
auf Krebsleiden ist z. B. äußerst umstritten, als Vorsorge zur
Krebsvorbeugung und zur Krebsnachsorge erscheint es als flankierende Maßnahme
im Rahmen einer gleichzeitigen gesunden und bewußten Ernährung
sinnvoll, einen Zusammenhang mit einer stabilen bzw. wiederhergestellten
Gesundheit zu vermuten, als Therapie eines bereits entstandenen Krebsgeschwürs
ist Fasten - wie bei allen sog. "zehrenden" Krankheiten (Tuberkulose, Krebs,
Basedowsche Krankheit) - auf keinen Fall anzuraten. Leibold (1986, S. 25)
lanciert die These, daß nach längeren Fastenzeiten Tumore für
Reservestoffe gehalten und als solche vom Körper auch mitabgebaut
würden. Dies ist zumindest fragwürdig. Auch die von Fastenärzten
behauptete Steigerung der körperlichen Abwehrkräfte nach dem
Fasten konnte durch laborchemische Untersuchungen nicht nachgewiesen werden
und beruht ausschließlich auf Erfahrungen23.
Fasten ersetzt keine gesunde
Ernährungsweise. Vor allem eine exzellente Versorgung des Körpers
mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen stärkt das Immunsystem.
Ballaststoffe fördern die Verdauung, senken das (Darm-) Krebsrisiko
und den Cholesterinspiegel. Karotinoide und Farbstoffe pflanzlichen Ursprungs
wie Flavonoide (die auf beim Stoffwechselgeschehen freiwerdende sog. "Freie
Radikale" repressorisch wirken und somit auch die Alterung des Körpers
verlangsamen sollen) oder die in Kohlarten vorkommenden Indole greifen
hemmend in den langen Prozeß der Entstehung von Krebs ein.
Zum Begriff der sog. "Schlacken",
die beim Fasten abgebaut werden, muß bemerkt werden, daß es
sich hierbei um keinen in der Schulmedizin gebräuchlichen Terminus
handelt. Stoffwechselprodukte werden von Darm und Nieren und über
die Haut ausgeschieden.
7 Zusammenfassung
Gott schickt das Fleisch,
und der Teufel sendet die Köche. Taylor
Im Gesundheitswesen nehmen ernährungsbedingte
Kosten einen großen Anteil unter den krankheitsbedingten Kosten ein.
Sie betrugen z. B. im Jahre
1980 knapp 42 Mrd. DM. Es stellt sich also schon aus volkswirtschaftlicher
Sicht die Frage nach einer "richtigen" Ernährung.
Die heute vorherrschende
Ernährungsperiodik der Drei-Mahlzeiten-Sequenz ist nicht zeitgemäß.
Eine adäquate Ernährungsperiodik hätte eine kontinuierliche,
dem Bedarf leichter Arbeit angemessene Nährstoffzufuhr in Form multipler
Miniaturmahlzeiten zu begünstigen.
Beim Fasten handelt es sich
hingegen um die einschneidendste Form der Ernährungstherapie. Neben
der Entlastung der Verdauungsorgane bedeutet Fasten eine Stimulation des
Immunsystems, worauf das hohe Ansprechen all jener Krankheiten, an denen
das Abwehrsystem einen großen Anteil hat, zurückzuführen
ist, wie beispielsweise entzündliches Rheuma, Allergien oder Asthma.
Für den Körper bedeutet Fasten eine große Anstrengung,
Fett und Eiweiß werden aus Depots mobilisiert, wofür pro Tag
zwei bis drei Liter Wasser benötigt werden. Bei extrem langen, eiweißfreien
Fastenzeiten besteht die Gefahr, daß auch der Herzmuskel als Eiweißreserve
angegriffen wird. Bei reichhaltiger Bewegung, einer Fastenperiode von etwa
drei bis vier Wochen oder einer mäßigen Eiweißzufuhr ("Molke-Fasten")
besteht diese Gefahr jedoch nicht. Beim Abbau der Depotfette gelangen die
darin abgelagerten toxischen Substanzen ("Schlacken") in den Blutkreislauf
und rufen einige sog. "Fastenbeschwerden" hervor. Bedenklich ist in diesem
Zusammenhang der Umstand, daß diese Giftstoffe zwar nachgewiesenerweise
freigesetzt, aber nicht in gleichem Maße ausgeschieden werden. Auch
besteht die Gefahr psychischer Krisen während des Fastens.
Begrenzte, zwar innerhalb
des Normbereichs, jedoch schon an der unteren Grenze der Nährstoffbedürfnisse
liegende Ernährungsbeschränkung allgemeinen Typs ist nachgewiesenermaßen
von eindeutig positiver Wirkung auf den Organismus. Leider sind moderne
Ernährungsberatung und -aufklärung weitgehend erfolglos geblieben,
da sich ein strukturelles Synchronisationsdefizit von kulturell-technischem
Entwicklungsniveau einerseits und immateriellem, geistigen Entwicklungsstand
des Individuums andererseits abzeichnet. So kann nur eine in früher
Jugend beginnende, möglicherweise generationenlang fortzusetzende
Bemühung um Schaffung neuer Ernährungsmuster und eines neuen
Ernährungsverhaltens letztlich von Erfolg sein.
Ich möchte die Studienarbeit
mit einem Ausspruch von Dr. Christian Kuhn, Klinik Buchinger, Bodensee,
beschließen:
"Eine gute Ernährung
- materiell und geistig - zusammen mit dem Gleichgewicht von Bewegung und
Ruhe entscheiden über unsere Gesundheit - präventiv und therapeutisch."
8 Literatur
Buchinger, Dr. Otto:
Fasten. Selbständiges Fasten für Gesunde - Schritt für Schritt
zum richtigen Essen und zu neuem Selbstbewußtsein. München 1992. Bundesminister für
Jugend, Familie und Gesundheit (Hrsg.): Die Kosten ernährungsbedingter
Krankheiten. Schriftenreihe, Band 179, Stuttgart 1986. Cremer, H.-D., D.
Hötzel und J. Kühnau (Hrsg.): Ernährungslehre und Diätetik.
Band I: Biochemie und Physiologie der Ernährung. Stuttgart, New York
1980. Domagk, Götz
F. und Kurt Kramer: Ernährung und Verdauung. München, Wien, Baltimore
1977. Elmadfa, Ibrahim
und Claus Leitzmann: Ernährung des Menschen. Stuttgart 1990. Focus 52/1993, S.
97-100. Huth, Karl: Ernährung
und Diätetik. Heidelberg 1979. Ketz, Hans-Albrecht
und Friedbert Baum: Ernährungslexikon. Leipzig 1986. S. 200. Leibold, Gerhard:
Heilfasten. Niedernhausen/Ts. 1986. Lützner, Dr.
Hellmut: Wie neugeboren durch Fasten. München 1978.
1
Aschoff
und Wever (1962), in: Cremer(1980), S. 7.
2
Domagk
(1977), S. 12.
3
In: Domagk (1977), S. 12.
4
Domagk
(1977), S. 11 ff.
5
Domagk
(1977), S. 13. Bei dem normalgewichtigen Menschen handelt es sich vermutlich
um einen Mann, der 75 kg wiegt.
6
Bundesminister
für Jugend, Familie und Gesundheit (1986), S. 11.
7
Bundesminister
für Jugend, Familie und Gesundheit (1986), S. 123.
8
Bundesminister
für Jugend, Familie und Gesundheit (1986), S. 274.
9
Ernährungsbericht 1980, in: Bundesminister für Jugend,
Familie und Gesundheit (1986), S. 179.
10
Bundesminister
für Jugend, Familie und Gesundheit (1986), S. 247.
11
Ebenda.
12
Bundesminister
für Jugend, Familie und Gesundheit (1986), S. 255, gekürzt und
leicht verändert.
13
Die jeweils angeführten zwei Werte ergeben sich aus der Annahme eines
Abzinsungsfaktors des Lebens(markt)einkommens von 4 bzw. 6 %.
14
Ketz
(1986), S. 200.
15
Elmadfa
(1990), S. 383.
16
Hahn,
Leitzmann
(1982), in: Elmadfa(1990), S. 385.