Politische Reden sind streng zweckgerichtet.
Ihre Analyse richtet sich auf die Beantwortung folgender Frage(n):
Wer teilt
wem
wann
zu welchem Zweck
was
wie mit?
Zu berücksichtigen wären also:
Die Kommunikationssituation (Wer? Wem? Wann? Wie?)
In welcher Weise wird
den Zuhörern die Rede vermittelt (Rathausvorplatz, Fernsehen, Radio,
Sportpalast etc.)?
Unter welchen historischen
Voraussetzungen/äußeren Bedingungen wird die Rede gehalten?
Welche Funktion hat
der Redner in Bezug auf das Publikum? Inwiefern hat das Folgen für
das, was er sagen kann und darf? Wer ist das Publikum? Was erwartet es?
Was ist von ihm zu erwarten?
Die Redeabsicht (Zu welchem Zweck?)
Sie ist bisweilen
ableitbar aus der Kommunikationssituation, kann aber auch erst als Ergebnis
einer eingehenden Untersuchung feststellbar sein. Ziel der Analyse ist
es jedenfalls, den Zusammenhang zwischen der Redeabsicht und den gewählten
sprachlichen und argumentativen Mitteln herauszuarbeiten.
Argumentation (Wie? Was?)
Enthält die
Rede eine Argumentation, d. h., wird eine bestimmte Auffassung mit Gründen
vertreten (weil, denn, deshalb, obwohl, dennoch etc.), so müssen Argumentationsansatz
(explizite und implizite Voraussetzungen) sowie Argumentationsgang analysiert
werden, d. h., der Text wird mit folgendem Begriffsinstrumentarium zerlegt:
Aussage, Behauptung, Begründung, Grund, Argument, Beweis (in theoretischer
Absicht), Rechtfertigung (in praktischer Absicht), Maxime, Norm, Beschreibung
eines Sachverhaltes, Bekundung einer Absicht, Erläuterung, Bedürfnis,
Interesse, Mittel, Ziel, Definition etc.
Sprachliche Mittel (Wie? Was?)
Sprachliche, insbesondere
rhetorische
Mittel sollen als solche (d. h. einem Zweck dienend) nachgewiesen werden.
Ziel einer Untersuchung der sprachlichen Mittel kann es aber auch sein,
sie ihrer verschleiernden Kraft zu berauben. Dies gilt besonders für
Metaphern, Allegorien, Euphemismen oder (falsche) Antithesen etc.
Kritische Auseinandersetzung mit der Rede
Berechtigung der
Redeabsicht, Relation zwischen sprachlichen Mitteln und Redeabsicht. Für
die Kritik einer politischen Rede ist ein eigener, begründeter (nicht
unbedingt politischer!) Standpunkt nötig; der eigene Wertehorizont
müsste erkennbar werden.