2.1 Allgemeine Unterrichtsvoraussetzungen
Die Klasse 10 d wird von mir seit Schuljahresbeginn selbständig in Biologie unterrichtet, erst seit Dezember auch im Fach Deutsch. Die Klassengröße ist mit 21 Schülern optimal, zumal das Feld der leistungsstarken und -mittleren S. ausgesprochen gut ausgeprägt oder erhalten geblieben ist. Das Klassenklima ist generell sehr gut; wie Kollegen berichten, zeigen einige Jungen gelegentlich etwas überhebliches Verhalten, was aber alterstypisch ist, zumal die Mädchen die Jungen ja zurzeit in ihrer Entwicklung deutlich überholt haben.
In der Klasse sind mir drei Mädchen bereits aus dem Biologieunterricht der 9. Klasse bekannt. Sie haben diese Klassenstufe wiederholt und sich gut in die neue Klasse integriert. A ist leider nach wie vor sehr zurückhaltend, während B wie immer rege Beteiligung zeigt. C gehörte in der 9. Klasse zum leistungsschwachen Feld, hat sich aber diesbezüglich komplett geändert und gehört nun mit zu den Leistungsträgern - offensichtlich eine Folge des guten Klassenklimas. A ist als Nichtmelderin weiterhin auch unaufgefordert aufzurufen und bei Meldungen entsprechend zu bestärken, Gleiches gilt für die wenigen zurückhaltenderen S. wie D, E und F.
2.2 Spezielle Unterrichtsvoraussetzungen
Nachdem ich vor zwei Wochen diese Klasse in Deutsch übernommen hatte, äußerte diese den Wunsch, sich "mit Reden und sprachlichen Mitteln" zu beschäftigen. Nach einer kurzen Lyrikreihe, bei der den S. bereits ein erster Eindruck von der Funktion, die solche Mittel haben können, vermittelt wurde (z. B. Alliterationen in Eichendorffs Gedicht "Frische Fahrt" zur lautlichen Untermalung einer Bewegung), ging es in der letzten Stunde um den Einsatz sprachlicher Mittel in Reden. Hierbei wählte ich einen Einstieg über die Lehrerrede aus dem Film "Im Westen nichts Neues", die den S. verschriftlicht vorlag. Ausgangspunkt war die Vorerfahrung der S. mit Reden in ihrem Alltag, wobei auch die Grundfunktionen von Reden herausgestellt wurden. Abschließend wurde den S. die Videosequenz vorgeführt, und nonverbale Bedeutungsträger wurden in die Analyse einbezogen.
Die S. wissen, dass sprachliche Mittel sowohl die Redeabsicht als auch den Gang der Argumentation unterstützen können und dass sich die sprachlichen Mittel den Grundfunktionen
- darstellen/erklären
- gefallen/reizen
- ergreifen/mitreißen
zuordnen lassen.
Vorbereitend für die heutige Stunde wurde den S. der Redetext ausgehändigt, mit der Aufgabe, Schlüsselbegriffe, Begriffspaare (z. B. "Ost und West") sowie Parallelstrukturen wie z. B. Anaphern, Alliterationen und Parallelismen zu unterstreichen.
3 Lernziele
3.1 Grobziel
Die S. bestimmen exemplarisch die Funktion sprachlicher Mittel in der Rede Pfarrer Stadelmanns bei der Verabschiedung des III. Bataillons des Infanterieregiments Nr. 121 (1914).
3.2 Feinziele
Die S.:
- bestimmen die Redeabsicht (Redner will Zuhörer für Krieg begeistern), indem sie die Rede Pfarrer Stadelmanns mit der Lehrerrede des Films "Im Westen nichts Neues" vergleichen
- können den inhaltlichen Aufbau der Rede darstellen
- können Schlüsselbegriffe im Hinblick auf die Redeabsicht bestimmen, indem sie diese im Text unterstreichen (vorbereitende HA)
- können Alliterationen, Anaphern, Parallelismen und antithetische Begriffspaare benennen, indem sie diese im Text gleichfalls unterstreichen (vorbereitende HA)
- weisen nach, dass die antithetischen Begriffspaare mit den durch die Schlüsselbegriffe gekennzeichneten Bereichen "Volk", "Heer", "Gott" korrespondieren, indem sie jenen diese zuordnen
- weisen nach, dass auch Alliterationen, Anaphern und Parallelismen mit den durch die Schlüsselbegriffe gekennzeichneten Bereichen "Volk", "Heer", "Gott" korrespondieren und die Redeabsicht unterstützen, indem sie jene mit den Grundfunktionen von Reden ("gefallen/reizen" sowie "ergreifen/mitreißen") in Beziehung setzen
- weisen auf Grund der Untersuchung nach, dass die vom Redner eingesetzten sprachlichen Mittel die manipulative Strategie der Rede unterstützen
4 Skizze des geplanten Unterrichtsverlaufs
4.1 Tabellarische Übersicht über den Unterrichtsverlauf
Zeit / Unterrichtsphasen, Lehrerverhalten / Schülerverhalten / Methoden und Medien
08:00 Hinführung, Bestimmung der Redeabsicht
L. klärt Verständnisfragen. L.: "Vergleicht die Rede Pfarrer Stadelmanns mit der Rede des Lehrers, die wir in der letzten Stunde untersucht hatten!" L. hält Redeabsicht an der Tafel fest. S. verweisen auf übereinstimmende Absicht der Redner (beide wollen ihre Zuhörer für den Krieg begeistern). UG, Tafel
08:05 Erarbeitung
L.: "Gliedert die Rede inhaltlich!" S. gliedern Rede inhaltlich (u. a. eingefügter Verweis auf Schlacht bei Leuthen) StA/PA
08:15 Rückgriff auf HA/Auswertung
L.: Nennt Schlüsselbegriffe, die ihr unterstrichen habt! L. hält einige Schlüsselbegriffe an Tafel fest. S. nennen z. B. Schlüsselbegriffe mit theologischem Hintergrund wie "Gott" / "Der Herr" / "Der Herr Zebaoth" / "Der Gott Jakobs", "fromm", "Gottvertrauen", "heilige Pflicht" oder "Amen". UG, Tafel
08:20-08:25 Rückgriff auf HA/Auswertung
L.: Nennt Begriffspaare, die ihr unterstrichen habt! L. stellt von S. genannte antithetische Begriffspaare an der Tafel einander gegenüber (mittels vorbereiteter An-heftzettel). L.: "Nennt die Funktion, die diese Begriffspaare haben!" (Hilfsimpuls: "Welche Begriffe werden durch die Nennung der Paare hervor-gehoben?" Vgl. diesbzgl. Unterstreichungen im Primärtext (Anhang) S. nennen die Bereiche "Volk", "Heer", "Gott" / "Gottvertrauen". UG, Ta-fel, Anheftzettel
08:30-08:35 Zwischenergebnissicherung
L.: "Nennt Parallelstrukturen (Anaphern, Alliterationen, Parallelismen), die ihr unterstrichen habt!" L. heftet vergrößerte und anders gegliederte Darstellung der Rede an die (ggf. zweite) Tafel. L.: "Formuliert Beobachtungen!" L.: "Begründet, warum diese Beobachtungen unsere bisherigen Erkenntnisse stützen!" S. nennen z. B. "treu zur Truppe", "fest zur Fahne" u. w. m. - S. verweisen auf Häufungen bzw. Fehlen paralleler Strukturen im Text. S.: "Parallelismen sind Symptom, an welchen Stellen die Rede eindring-lich/mitreißend wirken soll; Anaphern wie ‚eins ...' betonen die angestrebte Einheit/Einigkeit in ‚Volk' und ‚Heer'. Verknüpfung erfolgt durch theologische Begrifflichkeit (‚Gottvertrauen' ist notwendig)." UG, Rede-Poster, Tafel
08:35-08:45 Ergebnissicherung
L.: "Formuliert ein Ergebnis, das eine Bewertung der Redeabsicht beinhaltet!" S. verweisen auf manipulative Strategie, die sich in den gewählten sprachlichen Mitteln ausdrückt: "Der Redner missbraucht seine fachliche Autorität als Pfarrer." UG, Hefter
Stundenende
4.2 HA zur nächsten Stunde
Vorbereitende HA zu nächstem Redetext (Hitler, 10.02.33)
5 Literaturliste
5.1 Primärtext
SCHLÜTER, H.: Grundkurs der Rhetorik. München 19859, S. 188
5.2 Fachliteratur
- DYCK, J., Jens, W., Ueding, G. (Hg.): Rhetorik. Tübingen 1998. Bd. 17: Rhetorik in der Schule. Hg. von A. Merger. Tübingen 1998.
- PELSTER, T.: Reden, Redesituationen, Redekritiken. Düsseldorf 1989.
- Ders.: Rede und Rhetorik. Berlin 1993.
- SCHLÜTER, H.: Grundkurs der Rhetorik. München 1997 14.
6 Anhang
6.1 Redetext
Pfarrer Stadelmann: Rede bei der Verabschiedung des III. Bataillons des Infanterieregiments Nr. 121 (1914)
6.2 Antizipiertes Tafelbild
6.3 Sitzplan