Konjunktiv I und II

Die Wiedergabe eines Textes mit eigenen Worten (Paraphrase) erfordert den Konjunktiv I. Immer? Nicht immer, aber oft.
Es gibt Ausnahmen, die auch Lehrern häufig nicht bekannt sind:

Beispiel:

Richtig Es heißt, Reinhard sei ein Casanova Konjunktiv I
Auch richtig Es heißt, Reinhard ist ein Casanova Indikativ
Auch richtig Es heißt, Reinhard wäre ein Casanova Konjunktiv II

Wie kann das sein? Offensichtlich gibt es Unterschiede bezüglich des Wahrheitsgehalts der Aussage, Reinhard sei ein Casanova. Im ersten Fall wird dies vom Erzähler nur neutral wiedergegeben. Im zweiten Fall ist es offenbar für alle klar ("Es heißt [zu Recht], ... usw."). Im dritten Fall ist offensichtlich bekannt, dass Reinhard kein Casanova ist oder sein kann.
 
Richtig Es heißt, Reinhard sei ein Casanova Konjunktiv I Keine Aussage über Wahrheitsgehalt
Auch richtig Es heißt, Reinhard ist ein Casanova Indikativ Allgemein bekannt: Reinhard ist ein Casanova
Auch richtig Es heißt, Reinhard wäre ein Casanova Konjunktiv II Es bestehen erhebliche Zweifel, dass er ein Casanova ist

Falls Sie diese Regeln nicht verstehen, verwenden Sie immer die erste Möglichkeit. Damit sind Sie bei Klausuren oder Klassenarbeiten auf der sicheren Seite.

Falls Sie die Richtigkeit des Beispiels bezweifeln, hier die Begründung der Duden-Redaktion:
"Laut Grundregel steht die indirekte Rede in der Möglichkeitsform. Oft wird daneben aber auch die Wirklichkeitsform gebraucht. Worauf ist zu achten? Durch den Gebrauch der Wirklichkeitsform wird das Gesagte als richtig bestätigt. Durch den Gebrauch der normalerweise in indirekter Rede üblichen Möglichkeitsform I wird für die Richtigkeit des Gesagten keine Gewähr übernommen. Durch den Gebrauch der Möglichkeitsform II kann Zweifel an der Richtigkeit des Gesagten ausgedrückt werden."