Zurück zur Startseite
Biologie
Deutsch
Top-Links
Arbeitsbögen und Uni-Hausarbeiten zum Downloaden
Die besten Bücher zum Thema
Gesamtübersicht
Der T-Shirt-Shop für Schüler, Lehrer und Referendare!
Galaxisschweine sprengen den Todesstern und mehr
Über diese Site
Nehmen Sie Kontakt auf!
Rechtliche Hinweise und Impressum
    Diese Seite twittern! Tell your friends at Facebook! StudiVZ! Google-Bookmark!

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]


Unterrichtsmaterial und Unterrichtsentwürfe für Biologie und Deutsch
www.interlektor.de

Gleich bestellen!
[Vergleichbares]
Jetzt bestellen!
[Vergleichbares]
Jetzt bestellen!
[Vergleichbares]
Gleich bestellen!
[Vergleichbares]

Jetzt bestellen! Jetzt bestellen!

Deutsch

Berlin - 11. Klasse

"In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. 
Das Werk des Schriftstellers ist dabei lediglich eine Art 
von optischem Instrument, das der Autor dem Leser reicht,
 damit er erkennen möge, was er in sich selbst 
vielleicht sonst nicht hätte schauen können."
Marcel Proust
 

1 Unterrichtsgegenstand und Unterrichtsvoraussetzungen

1.1 Thema der Unterrichtsstunde

11. Klasse:  Assoziatives Erschließen zweier Gedichte von Ernst Jandl: "wien  :  heldenplatz"  (1962); "schtzngrmm" (1969) 

1.2 Thema der Unterrichtsreihe

Möglichkeiten der Erschließung lyrischer Texte 

1.3 Thema des unmittelbar vorangegangenen Unterrichts

Klausur zu "Tonio Kröger"/"Mario und der Zauberer" 

1.4 Thema der folgenden Stunden

Assoziatives Erschließen zweier Gedichte von Rolf Dieter Brinkmann: "Einen jener klassischen" / "HÖLDERLIN-HERBST" (o. J.); Methodentraining: Produktive Interpretation eines Textes durch "automatisches Schreiben" (écriture automatique)  

1.5 Unterrichtsvoraussetzungen 

Die S. haben sich im Lauf des Halbjahres bereits einmal mit lyrischen Texten auseinander gesetzt (vgl. Reihe zum Ophelia-Motiv). Hierbei wurden den S. zwei Herangehensweisen vermittelt, die ein Erschließen der Texte (auch im Hinblick auf das Abitur) erleichtern sollten: Im ersten Fall wurde auf die Funktion von Schlüsselbegriffen abgehoben (z. B. "Stadt", "Moloch"), im zweiten Fall auf die Funktion auffälliger sprachlicher Mittel, wie z. B. Anaphern.
Da den S. aber auch lyrische Texte begegnen können, die weder rhetorische Stilfiguren noch Schlüsselwörter aufweisen (wie etwa bei der Konkreten Poesie), wurden von mir einige Gedichte ausgewählt, die sich auch über die Assoziationen der Leser erschließen lassen.
Die S. zeigten zu Beginn der ersten U-Reihe eine gewisse Abneigung gegenüber der Analyse lyrischer Texte, die aber rasch nachließ. Sporadische Unkonzentriertheit war meiner Ansicht nach durch eine unmittelbar zuvor geschriebene Mathematik-Klausur bedingt. Um den Bogen einer Lyrik-Reihe nicht zu überspannen, schloss ich nach einigen Stunden eine Reihe zu Thomas Manns Novellen "Tonio Kröger" und "Mario und der Zauberer" an. Diese ist am Mittwoch mit einer Klausur abgeschlossen worden, so dass eine Beschäftigung mit moderner Lyrik auch einen Kontrast darstellen dürfte, von dem ich mir eine Motivierung der Klasse erhoffe. 

2 Lernziele

2.1 Grobziel

Die S. üben sich in der assoziativen Erschließung lyrischer Texte. 

2.2 Feinziele

Die S.: 

  • interpretieren Ernst Jandls Gedicht "schtzngrmm" (1969) als lautmalerischen Ausdruck von Krieg (hier: erster Weltkrieg), indem sie ihre akustischen Assoziationen beim Hören des Gedichts ausdrücken und sprachliche Besonderheiten des Gedichts benennen. (LZ1; Ind.: zusammenhängende S-Äußerungen)
  • erkennen, dass Jandls Gedicht "wien  :  heldenplatz" (1962) von Wortneuschöpfungen geprägt ist. (LZ 2; Ind.: korrekte Benennung durch S.)
  • leiten Assoziationen der Themenbereiche "Jagd" und "Sexualität" aus den Wortneuschöpfungen des Gedichts ab und erweitern diese um den Bereich "Hitler/Nationalsozialismus", indem sie eine Schilderung der historischen Ereignisse auf dem Wiener Heldenplatz im Jahre 1938 in Beziehung zum Text setzen. (LZ 3; Ind.: zusammenhängende S-Äußerungen)
  • erkennen, dass sich Jandl in seinem Gedicht dem "Phänomen Hitler" sprachlich anzunähern versucht, indem sie das assoziative Potential des Gedichts schreibend erkunden sowie eigene Wort-Assoziationen mit denen der Klassenkameraden und von Schulbuchautoren vergleichen. (Ind.: S.-Notizen auf Mind-Map-Darstellung; zusammenhängende S-Äußerungen). (LZ 4)
fakultativ: 
  • vollziehen Jandls Verfahren nach, indem sie nach dem erarbeiteten Verfahren ein Gedicht verfassen. (LZ 5; Ind.: Schülertexte)

3 Sachanalyse

Ernst Jandl gilt als bedeutender experimenteller Lyriker, Hörspiel- und Dramenautor. Den Durchbruch erzielte er 1966 mit dem Gedichtband "Laut und Luise", aus dem Gedichte wie "schtzngrmm" große Bekanntheit erreichten.
1973 war Ernst Jandl Mitbegründer der Grazer Autorenversammlung. Beeinflusst von Expressionismus und Dadaismus sowie von der "Wiener Gruppe" (deren "Onkel" er sich einmal nannte) und der Konkreten Poesie, entwickelte Jandl vielfältige experimentelle Formen, wobei auch die eigene ausdrucksstarke Rezitation eine besondere Rolle spielte, die den Schülern möglichst zugänglich gemacht werden sollte . Beispielsweise finden sich im Internet Audio-Dateien, die leicht auf ein Diktiergerät überspielt werden können. 
Sprachspiel und Sprachverfremdung ("verhunzte Sprache") sind bei Jandl Mittel, um das "beschädigte Leben" in all seinen Defiziten vorzuführen: In seinem 1962 entstandenem Gedicht "wien  :  heldenplatz" fallen sofort Wortneuschöpfungen auf, die zuerst so fremdartig klingen, dass ihr phonetisches, ungewohntes Klangbild - gehört, gesehen oder beides - die inhaltsvolle Aussage verwirrt. Doch entdeckt man schnell die Absicht des Dichters, der in diesem Gedicht mit vielen Assoziationen arbeitet, deren inhaltlicher Bezug schließlich in den Vordergrund tritt: "Beim ersten Zuhören oder Lesen ergeben viele überhaupt keinen Sinn, sowohl für sich selbst als auch im Textgefüge. Doch merkt man daneben aus der Tradition gewohnte Wörter, die im Verband mit den neuen anscheinend ihre Bedeutung verlieren oder sie ins Zwielicht rücken" (PABISCH: 78 f.). 

  • Substantive, die nicht neu zusammengesetzt wurden, sind hier: "heldenplatz", "frauen", "nöten", "stimme", "weibern", "heil"; neu sind: "männchenmeere", "maskelknie",  "stirnscheitelunterschwang", "gottelbock", "knie-ender". Die Fügung "von Sa-Atz zu Sa-Atz" wirkt zunächst wie dahergestottert (vgl. aber unter 7.3!).
  • Bekannte Verben sind: "heften", "versuchten", "ward"; neue sind: "hinsensend", "versaggerte", "brüllzten", "kechelte", "döppelte", "würmelte" sowie "hirschelte".
  • Auch Adjektive und Adverbien sind gekennzeichnet von diesem Phänomen "bekannt/neu": "zirka",  "heftig", "wesentlich", "nördlich"; und - neu komponiert: "glanze", "maschenhaft", "hoffensdick", "feilz", "sämmertlich", "sprenk", "balzerig", "pfingstig" sowie "zumahn".
Eindrücke, Gefühle oder Ideen werden hier also dergestalt miteinander verbunden, dass die Aktivierung des einen Inhalts die Hervorbringung des anderen nach sich zieht oder wenigstens fördert. Insgesamt ist festzuhalten, dass Jandl dem Leser bewusst Spielräume für eigene Assoziationen lässt. Dies muss freilich bei einer Behandlung des Gedichts im Unterricht dazu führen, dass zwar auch eine Interpretation Resultat der vorangehenden Textanalyse sein kann, diese aber zwangsläufig offen bzw. vage bleiben muss. Die U-Stunde kann folglich nur mit dem unbefriedigenden Ergebnis aufwarten, dass Jandl versucht hat, sich auf seine Weise dem "Phänomen Hitler" anzunähern.  

Hellmut ANDICS (1968, S. 343) schreibt über Hitlers Rede auf dem Heldenplatz: "Das alles ging hinter den Kulissen eines zentral gelenkten, jeder öffentlichen Einschau entzogenen totalitären Staats- und Verwaltungsapparates vor sich - und alles ging im Jubel der Massen unter. Der Jubel ließ sich später nicht wegleugnen. Er erreichte mit der Kundgebung auf dem Wiener Heldenplatz am 15. März 1938 seinen Höhepunkt. Pressephotographen und Wochenschaureporter belieferten die ganze Welt, mit dem Anblick eines Volkes, das vor Begeisterung außer Rand und Band geraten schien [...] Kein Trommelfell, das nicht zu platzen drohte, wenn das Chorgeschrei der Tausenden, Zehntausenden, Hunderttausenden erklang: ‚Ein Volk, ein Reich, ein Führer.‘" 

PABISCH (1976, S. 80 f.) bezieht das Gedicht wie folgt auf das historische Geschehen:
"Im Vergleich zur oberflächlichen, äußeren Darstellung der Szene durch die ratlosen Historiker, die bis heute dieses a-historische Geschehen nicht erklären können, müssen wir uns fragen, ob dem Dichter diese Darstellung durch die Konstruktion seiner Sprache nicht glaubhafter gelingt. 
Auch wenn Ernst Jandl nur ein Spiel mit der Sprache betreibt, können wir nicht umhin, aufgrund des Ernstes dieses Spieles, unsere Assoziationen auf die historischen Anspielungen einzuengen. [...] 
Obwohl keine Zeile dieses rein literarisch-sprachlichen Kunstwerkes deskriptiv auf die historische Szene verweist, spielt Ernst Jandl - zunächst durch den Titel des Gedichtes und dann durch alle Assoziationen auf die Thematik der besonderen Szene an. 
Die sprachliche Textierung ordnet diese Szene vollkommen dem literarischen Wirken unter. Der Dichter läßt sich nicht von der Ungeheuerlichkeit der historischen Tatsachen emotional beherrschen, sondern beherrscht die Thematik durch SEINE schöpferische Leistung. 
Er bedient sich derarter Assoziationen, die der Thematik bisher nie geahnte Dimensionen aufzwingen; man spürt, daß er das Unsagbare sagbar macht. Immer aufdringlicher weist die Bildhaftigkeit der Wörter auf den Brennpunkt der engen Thematik."
 
Da kaum zu erwarten ist, dass die S. eine solch detaillierte Auseinandersetzung mit dem Gedicht leisten können, stellt sich die Frage, ob es überhaupt für eine Behandlung im Unterricht geeignet ist. Die Frage kann bejaht werden, insofern sich Beispiele für eine Aufbereitung im Unterricht in gängigen Lehrbüchern der Oberstufe finden, die aber nicht immer fehlerfrei sind, wie sich etwa am Beispiel von "Texte, Themen und Strukturen" zeigen lässt (Cornelsen-Verlag 1999, S. 509 f.): Die Autoren gehen davon aus, dass auch Wörter aus dem Bereich "Turnen" im Gedicht eine Rolle spielen, was nicht nachvollziehbar ist, und zitieren außerdem die Nationalhymne falsch ("Blüh im Glanze deines Glückes" statt "Blüh im Glanze dieses Glückes"). Es ist also nötig, genau hinzusehen und ein Vorgehen zu wählen, bei dem nicht (wie etwa im Schulbuch) deduktiv vorgegangen wird, indem Assoziationen der Leser von vornherein suggestiv auf bestimmte Bereiche eingeengt werden, sondern der Spielraum, den Jandl dem Rezipienten lässt, so lange wie möglich bestehen bleibt. 
Es versteht sich von selbst, dass nicht jede mögliche Assoziation der Gedicht-Rezipienten erfasst werden kann. 

4 Didaktisch-methodische Überlegungen

Der Rahmenplan für die E-Phase (11. Klasse) nennt Übung von Textanalyse und Umgang mit Texten als wichtige Voraussetzung für die Kursphase und betont das 20. Jahrhundert bei der Auswahl der Lektürevorschläge.
Unter "Fähigkeiten und Fertigkeiten" werden außerdem Interpretation von Texten und Textanalyse explizit genannt.
Am Anfang einer Beschäftigung mit Lyrik, die assoziativ erschlossen werden kann, muss die Frage stehen, ob ein Gedicht zur Erarbeitung ausreicht oder ob zwei oder mehrere Gedicht in einer Stunde behandelt werden können. Ich habe mich bei der Auswahl der Jandl-Gedichte dafür entschieden, zwei Gedichte nacheinander zu untersuchen, wobei das leichter zugängliche am Anfang der Stunde stehen soll und das anspruchsvollere dann in der zweiten Stundenhälfte zu untersucht wäre. Dies ist auch im Sinn einer Progression der Stunde angemessen; außerdem ist meiner Ansicht nach keines der beiden Gedichte ergiebig genug, um das S-Interesse über 45 Minuten aufrechtzuerhalten.
Das Gedicht "schtzngrmm" wird über Klang-Assoziationen von den S. schnell als ein Text erkannt werden, der die Kriegssituation in einem Schützengraben des ersten Weltkriegs thematisiert. Es ist also im Hinblick auf den einfachen Inhalt nicht nötig, eine starke Vereinfachung bezüglich der Methode vorzunehmen; den S. kann gleich die Aufgabe gestellt werden, die sprachliche Besonderheit des Gedichts zu benennen und an einem Beispiel aus dem Gedicht zu erläutern. Alternativ könnte das Gedicht in (z. B. zwei) Folienschnipsel zerschnitten werden, wobei den S. die Aufgabe zu stellen wäre, zu begründen, warum sie eine bestimmte Reihenfolge favorisieren würden (Akzentuierung des Gedichtendes: "t-tt" bedeutet ein Verstummen der MG-Salven - die Munition ist offenbar verschossen). Aus den genannten Gründen sowie dem Aspekt der Zeitersparnis (zwei Gedichte!) habe ich aber darauf verzichtet.
Das zweite Gedicht ist mit dem ersten einerseits durch den Autor, andererseits auch durch die Möglichkeit, es assoziativ zu erschließen, verbunden. Die S. können so ihr in der ersten Stundenhälfte erworbenes Wissen nutzen, indem sie davon ausgehen können, dass Jandl sich in seiner Lyrik offenbar des Mittels der Sprachverfremdung bedient. Im Unterschied zu "schtzngrmm" ist "wien  :  heldenplatz" für S. nicht leicht zu erschließen, da ihnen vermutlich Kenntnisse über die Begebenheiten auf dem Wiener Heldenplatz fehlen und sie so einige Anspielungen im Gedicht (auf Hitler) nicht deuten können, die Gesamtthematik ihnen also zunächst auch nicht zugänglich ist. Aus den in der Sachanalyse genannten Gründen möchte ich die meiner Ansicht nach unbedingt notwendige Eingabe der Informationen über die Begebenheiten im Jahre 1938 aber hinauszögern, um zunächst alle assoziativen Spielräume, die der Autor dem Rezipienten gewährt, auch ausschöpfen zu können. Hierdurch kann dann zusätzlich ein Aha-Effekt auf Seiten der S. ausgelöst werden.
Für einen schweren Inhalt ist eine einfache Methode zu wählen, was ich insofern zu beherzigen glaube, dass ich die Assoziationen, die das Gedicht bei den S. auslöst, in Form einer Mind-Map für die Klasse visualisieren lassen möchte. Hierzu ist es ggf. erforderlich, die Sitzordnung zu verändern, was aber in einer fünften Stunde nicht nur eine Gefahr (Zeitverzug) bedeuten muss, sondern möglicherweise auch den ein oder anderen Kreislauf etwas in Schwung zu bringen vermag.
Um Medien optimal auszuschöpfen und die Motivation zu Beginn der zweiten Erarbeitungsphase zu erhöhen, habe ich eine Lesung des Autors aus dem Internet auf ein Diktiergerät kopiert, das den S. vorgespielt werden soll. Um die Konzentration auf die Gedichttexte sicher zu stellen, habe ich mich außerdem dafür entschieden, beide Gedichte zunächst nur als OHF zu zeigen. Die S. sind so gezwungen, ihre Aufmerksamkeit auf das Dargebotene zu richten. Der Text wird den S. dann jeweils ausgeteilt, wenn es erforderlich wird, etwa, um Ergebnisse zu sichern oder um Unterstreichungen vorzunehmen.
Alternativ könnte eine Vorgehensweise auch so aussehen, dass zunächst nur der Titel des Gedichts gezeigt wird und Erwartungen an Inhalt und sprachliche Besonderheiten des Gedichts gesammelt würden. Dies ist aber nur möglich bzw. sinnvoll, wenn sich die Klasse zuvor mit den historischen Grundlagen (Anschluss Österreichs) vertraut gemacht hat, da sonst Assoziationen in eine falsche Richtung erzeugt würden (z. B.: "Es geht um Sissi"). Außerdem könnte nach dem Erfragen eines Lese- und Höreindruck auch nach Anspielungen auf Hitler gesucht und danach auf die sprachliche Gestaltung abgehoben werden, dies würde aber eine zu starke Ausrichtung auf den Lehrer und letztlich ein Überwiegen des Frontalunterrichts bedeuten, bei dem das assoziative Erschließen affirmativ wirken oder zu kurz kommen würde. Außerdem würde sich für die S. zu Recht die Frage stellen, weshalb sie Assoziationen notieren sollen, die der L. sie quasi miterzeugt hat.
Das Notieren von Wort-Assoziationen bedeutet meiner Ansicht nach keine Unterforderung der S., da hierdurch auch eine Sensibilisierung für Sprache bewirkt wird und der didaktische Schwerpunkt der Stunde ja im Einüben dieser Technik (assoziatives Erfassen von Anspielungen) besteht.
Um Zeitmangel vorzubeugen, kann die Sicherung der Ergebnisse über eine Präsentation auf einer teilweise vorbereiteten OHF erfolgen. Ein Tafelanschrieb, der mehr Zeit benötigen würde, kann so entfallen.
Am Ende der Stunde kann ein kreativer Schreibauftrag stehen, der die erarbeitete Vorgehensweise Jandls vorgibt und durch die Erstellung der S-Produkte die Erkenntnisse der Stunde vertieft. Dies ist nur möglich, wenn das zu Grunde liegende Prinzip des Gedichts den S. klar geworden ist. Bei größerem Zeitmangel könnte ein solcher Auftrag in die nächste Stunde verlegt werden. 

5 Skizze des geplanten Unterrichtsverlaufs

5.1 Tabellarische Übersicht über den Unterrichtsverlauf

Zeit Unterrichtsphasen, Lehrerverhalten / Schülerverhalten / Methoden und Medien 



11:50 Motivation, Problemfindung
Präsentation des Gedichts "schtzngrmm" auf OHF1; Aufforderung zum Vortrag.
S. sind belustigt, da Vokale sämtlich fehlen und ein Vortragen des Gedichts sich folglich als schwierig erweist.
 
Vortrag durch L.; Aufforderung, Assoziationen zu formulieren.
(Hilfsimpuls: "Woran denken Sie beim Hören des Gedichts?") 
S.: "Gedicht handelt von Schützengräben, Maschinengewehrsalven, Panzerkettengeräuschen; kurz: vom Krieg bzw. genauer: vom ersten Weltkrieg).  UG, OHF1 

11:55 Erarbeitung / Sicherung von Zwischenergebnissen
Eingabe AB1; Aufforderung zum Bearbeiten. 
S. notieren ihre Erkenntnisse zur sprachlichen Besonderheit des Gedichts. (LZ 1) AB1, StA 

12:05 Auswertung
Aufforderung zum Vortragen der Ergebnisse. 
S. verweisen auf Fehlen von Vokalen sowie z. B. auf das Ende des Gedichts (Ersterben der MG-Salve). UG 

12:10 Motivierung, Anwendung auf ein weiteres Gedicht
Präsentation einer Diktiergerät-Aufnahme von einer Audio-Datei im Internet (E. Jandl liest "wien  :  heldenplatz"); Präsentation des Gedichts auf OHF2; sukzessives Aufdecken durch L.; Aufforderung, Höreindrücke zu formulieren.
S. stellen fest, dass sie gar nichts verstanden haben; verweisen evtl. schon auf Wortneuschöpfungen.
 
L.: "Nennen Sie die Ursache dafür, dass Sie nichts verstanden haben!" 
(Hilfsimpuls: "Warum verstehen Sie ein Wort wie ‚sämmertliche‘ nicht?") 
S. erkennen, dass das Gedicht von Wortneuschöpfungen geprägt ist. (LZ 2)
OHF2, Audio-Datei, UG 

12:15 Erarbeitung
Eingabe von vier Mind-Map-Bögen mit vorgegebenen Wendungen/Wörtern aus dem Gedicht; Aufforderung, eigene Wort-Assoziationen auf den Bögen zu notieren: "Versuchen Sie, auch dieses Gedicht über Ihre Assoziationen zu erschließen! Notieren Sie Wörter, die Sie mit den vorgegebenen Elementen assoziieren!"
Fokussierung auf Titel: "Beziehen Sie den Titel in Ihre Überlegungen mit ein!"; Eingabe einer Schilderung der Ereignisse auf dem Heldenplatz (Hitlerrede); Frage nach Wörtern, die mit dem Themenbereich "Hitler / Nationalsozialismus" in Verbindung gebracht werden können. 
S. notieren ihre Assoziationen und vergleichen ihre Notizen mit denen der Mitschüler.
S. verweisen z. B. auf "stirnscheitelunterschwang" oder "stimmstummel" (Anklänge an Frisur und Bart Hitlers) und erweitern ihre Notizen um den Bereich "Hitler / Nationalsozialismus". (LZ3) Mind-Map-Bögen, GA, Infotext, UG 

12:25 - 12:30 Auswertung / Ergebnissicherung
Eingabe Primärtext und Präsentation OHF3: Aufforderung, Notiertes mit den Ergebnissen der Schulbuchautoren zu vergleichen und zu diskutieren, sowie zum Versuch einer Interpretation des Gedichts.
(Abschließende Ergebnispräsentation auf OHF4) 
S. vergleichen die Assoziationen der Gruppe mit den Ergebnissen der Schulbuchautoren im Hinblick auf eine mögliche Interpretation des Gedichts. (LZ4) OHF3, Bögen, Primärtext, OHF4, UG
(OHF4)
 
Ergebnis: Gedicht ist auf assoziative Erschließung hin angelegt. 
Jandl ...
  • hat Wörter der deutschen Sprache "zertrümmert"
  • hat sinntragende Einheiten neu zusammengesetzt, so dass sich verschiedene Bedeutungen aus folgenden Themenbereichen überlagern:
    - Jägersprache
    - Sexualität
    - Hitler/Nationalsozialismus
  • Jandl versucht sich dem "Phänomen Hitler" anzunähern, indem er die assoziative Kraft von Wortneuschöpfungen nutzt. 
    • (Hitler als Objekt mit erotischer Anziehungskraft, das den Jagdtrieb der Frauen anregt? 
      Frauen aus dem Volk als Beute des Diktators?)
12:35 Mögliches Stundenende


Ggf. Vertiefung / vorgezogene HA
Ausgabe AB2 mit HA (s. u.). 
S. schreiben ein Gedicht nach dem Muster von "wien  :  heldenplatz". AB2
12:35 Stundenende 

5.2 HA der Stunde im Wortlaut

Schreiben Sie ein Gedicht zu einem Thema, mit dem Sie sich kritisch auseinander setzen möchten, und zwar wie folgt:

    1. Schreiben Sie einen kurzen Prosatext dazu!
    2. Zertrümmern Sie dann das Wortmaterial Ihres Textes!
    3. Wählen Sie Assoziationsbereiche aus, die sich auf interessante Weise auf Ihr Thema beziehen lassen!
    4. Ergänzen Sie Ihre Worttrümmer mit Assoziationen aus den gewählten Bereichen in Form einer Mind-Map! Legen Sie die endgültige Fassung der veränderten Wörter erst fest, wenn die Mind-Map entwickelt ist!
    5. Versuchen Sie abschließend, die veränderten Wörter in ein Gedicht zu integrieren!
Auf Ihre Ergebnisse bin ich sehr gespannt! 

6 Literaturliste

6.1 Primärtexte

  • JANDL, E.: wien  :  heldenplatz. In: BIERMANN, H., Schurf, B. (Hg.): Texte, Themen und Strukturen. Deutschbuch für die Oberstufe. Berlin 1999, S. 508.
  • DERS.: schtzngrmm. In: BODE, D. (Hg.): Deutsche Gedichte. Eine Anthologie. Stuttgart 1994, S. 328.

6.2 Fachliteratur

  • ANDICS, Helmut: 50 Jahre unseres Lebens: Österreichs Schicksal seit 1918. Wien/München/Zürich 21968.
  • PABISCH, Peter (1976): Sprachliche Struktur und assoziative Thematik in Ernst Jandls experimentellem Gedicht wien: heldenplatz. In: Modern Austrian Literature. Journal of the International Arthur Schnitzler Research Association. Vol. 9. No. 1, S. 73-85.

6.3 Fachdidaktische Literatur/Schulbücher

  • BIERMANN, H., Schurf, B. (Hg.): Texte, Themen und Strukturen. Deutschbuch für die Oberstufe. Berlin 1999, S. 508 f.

6.4 Internet Quellen

...


Gleich ansehen!

Die Geschenkidee: Antworten, bevor Schüler fragen!

Langarm-Shirt für Lehrer: "Nein, ich habe die Klausuren nicht dabei!" (vorne) - "Ja, ihr könnt das abschreiben!" (hinten) - Weitere Schul-T-Shirts finden Sie bei www.lehrershirts.com!


Die vier meistbestellten Bücher zum Thema via www.schinka.de:
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]



Biologie
Arbeitspläne Biologie
Entwicklungsbiologie
Genetik
Evolution
Tipps für Referendare
Unterrichtsentwürfe
Lehrproben-Tipps
Induktion/Deduktion
Biologie-Links
Unterrichtsmaterial
Uni-Hausarbeiten

Deutsch
Arbeitsplan 10. Klasse
Arbeitsplan 11. Klasse
Lyrik
Drama
Kreatives Schreiben
Zitiertechniken
Konjunktiv
"Das" oder "dass"?
Rechtschreibung
Politische Reden
Kurzgeschichten Personenbeschreibung Unterrichtsentwürfe
Lehrproben-Tipps
Unterrichtsmaterial
Uni-Hausarbeiten

Pädagogik
Links
Unterrichtsmaterial
Lehrproben-Tipps
Vertretungsunterricht
2. Staatsexamen
Schinkas Blog

Lehrer-Shirts

Mehr davon!

[Mehr Shirts]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Jetzt bestellen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich bestellen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Fit für das Referendariat - gleich bestellen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich bestellen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]

Literaturtipp
Gleich ansehen!
[Vergleichbares]


Home | Biologieunterricht | Deutschunterricht | Links | Uni-Arbeiten | Literatur | Sitemap | T-Shirts | Comics | Über uns | Kontakt | Impressum
Login
Content, Webdesign & Copyright © Reinhard Schinka. Alle Rechte vorbehalten.
Bei Zitaten wird um Quellenangabe "www.schinka.de" gebeten.